Dienstag, 22. Juni 2010

Textile Art Berlin


Am letzten Wochenende war ich auf der Textile Art Berlin. Es ist interessant zu sehen, was es alles unter der Überschrift "Textile Art" so gibt, und wer sich dazu zählt. Das Foto oben durfte ich freundlicherweise von den Quilts meiner sehr geschätzten Kollegin Brigitte Morgenroth  aufnehmen. Und das bringt mich gleich zum Thema, das ich aus Berlin mitgebracht habe: Neben einer Menge Verkaufsstände waren Textile Werke von Künstlerinnen und Künstlern zu sehen. Leider war die Präsentation mehr als dürftig. Man hatte es wirklich schwer, Namen von den Künstlerinnen und Künstlern oder gar Titel zu finden. Wenn man Glück hatte, hing irgendwo um eine Ausstellung herum, ein Schild, auf dem der Titel der gesamten Installation stand, aber dann wieder, ohne die einzelnen Werke zu betiteln. Es wurde nicht zwischen Gruppen- und Einzelausstellungen unterschieden (oder war zumindest schwer wahrnehmbar) und manche Künstlerin hatte man in dunkle Ecken verbannt.
Manche Werke hingen ohne Aufsicht auf Gängen, was dazu führte, dass ständig etwas angefasst wurde. Einer Kollegin von mir wurde sogar ein Teil einer Installation gestohlen und der Rest beschädigt.

Und es war schwer zu unterscheiden, was nun kommerziellen Zwecken diente und was Kunst sein sollte, da es keine klare Aufteilung gab, waren in manchen Räumen Ausstellungen, in anderen waren Verkaufsstände. Das läßt die ein  oder andere Kollegin zögern, auf der Textile Art auszustellen.

Meiner Meinung haben sich  die Veranstalter - und uns Textilkünstlerinnen und -künstlern - dieses Jahr keinen Gefallen getan, dieser Orientierungslosigkeit nicht Einhalt geboten zu haben. Sicherlich war es ein Forum, auf dem sich Textilinteressierte treffen konnten, das war auch geschehen. Es war schön, mit den Kolleginnen vor Ort zu sprechen, sich auszutauschen und nette Begegnungen zu haben.

Aber gehört zur Präsentation von Kunst nicht auch ein Minimum an ästhetischer Präsentation, z.B. Licht, eine klare Hängung, Orientierung durch Betitelung und Nennung der Künstler, Aufsicht, usw.? Und damit ein respektvolles Ernstnehmen der Werke und ihrer Qualität?
Könnte das nicht etwas dazu beitragen, dass man aus der "Handarbeits- und Kunsthandwerker"- Ecke herauskäme und als Kunst ernstgenommen würde?

Und das bringt mich wieder zu dem Foto von Brigittes Quilts: Die Künstlerin entschied, ihre Quilts einfach nicht zu hängen, sondern zum Anfassen auf einem Tisch zu präsentieren, um andere Aspekte zu betonen, in diesem Fall den haptischen Effekt und den Detailreichtum von traditionellen Quilts. Ausserdem konnte sie so zu jedem ihrer abstrakten Werke eine Geschichte erzählen und die verwendeten Stoffe einem der Länder zuordnen, in denen sie sie inspiriert haben oder in dem sie begonnen und gearbeitet worden sind.
Brigitte hat aus der Not eine Tugend gemacht und damit auf eine sehr kreative Weise dem Mangel an geeigneter Präsentation Einhalt geboten. Wer ihre Quilts dann in traditioneller, professioneller Hängung bewundern will, kann dies beim diesjährigen Quiltfestival im Elsass tun.

Last week-end, I was at the "Textile Art Berlin".
It is interesting to see, what there is presentated, and who counts himself to the Textile Arts.

On top I show the photo from the Quilts of my very respected collegue Brigitte Morgenroth.
And this brings me immediately to the subject which I have brought from Berlin: A lot of  textile works of artists were to be seen. Unfortunately, some of the presentation was more than poorly. One had really hard to find the names of the artists or even  the titles of the works. If one had luck, a paper with the title of the whole installation hung around somewhere, but, then again, without naming the single works. It was not distinguished between group exhibitions and solo exhibitions and some good work of artist were presented in dark corners.
Some works hung without supervision, what led to the fact, that constantly something was touched. Even a part of an installation was stolen from a colleague of me and the rest of her installation was damaged.

And it was difficult to make a distinction what served as commercial purposes and what should be art, because there was no clear difference between the commercial and the exhibition area.

Unfortunately this let other colleagues hesitate to participate or exhibit at this event.


At my opinion, the organizers would have done better, if they would have stopped this disorientation with some clearer concept. Of course, it was a forum on which you could meet textile enthusiast, this had also happened. It was nice to speak with the colleagues, to exchange textile news and to have nice meetings.


But does it not belong to an art event, to present a minimum of aesthetic principles, 
for example good lightening, a clear and unified form, also as naming the artists, titles,  a supervision, etc.? A respectful attitude for the works and their quality?
Taking this as professional and serious, could help to come out of the corner of crafts.

 And this brings me again to the photo of Brigittes Quilts: The artist decided not to hang her Quilts, she simply presented the quilts on the table, allowed touching and helped to see or feel other aspects of quilt, in this case the haptic effect and the detailed wealth of traditional quilts. Moreover, she could tell us to each of her abstract works a history and assigned the used materials to one of the countries in which they inspired her, or in which they have begun and have been worked.
Who wants to admire her Quilts then in a traditional, professional exhibition, can visit her and the quilts at the European Patchwork Meeting in France in september.

Kommentare:

  1. Hallo,
    ich habe auch gerade über meine Eindrücke von der Textile Art berichtet, allerdings eher nur über das Fotografierverbot. Die Sache mit der Lieblosigkeit der Hängungen und dem Mangel an Erklärungen/Struktur etc. wollte ich gar nicht erst ansprechen, aber ich habe mich genauso daran gestossen. Ich vermute aber, dass es anders (finanziell?) für die Veranstalter/für den Ort gar nicht machbar ist. Allerdings habe ich auch noch nicht viel Erfahrungen, was Textilkunstveranstaltungen angeht.

    AntwortenLöschen
  2. Danke, du gibst auch genau meine Eindrücke wieder - ich fand es so schade, dass man z. B. bei den grünen, quadratischen Stoffbildern gleich am Eingang nichts, aber auch gar nichts zu den Macherinnen, der Gruppe, dem Konzept usw. erfahren konnte, und das war ja fast durchgängig so. Mir kam es diesmal auch so vor, als wäre die Beschilderung noch spärlicher gewesen als in den Vorjahren. Besser fand ich diesmal, dass in dem Cafeteria-Bereich im ersten Stock keine Ausstellungsstücke hingen - letztes und vorletztes Jahr hingen da zwischen Kaffee, Kuchen und Salat auch immer noch irgendwelche Sachen.
    Mein interessierter, aber eher an Kunstgalerien gewöhnter Mann, der diesmal dabei war, meinte, ihn hätte die Veranstaltung an ein Schulfest erinnert. Mir ist klar, dass die Veranstalter vermutlich nicht viele Möglichkeiten haben, aber eine etwas professionellere Präsentation sollte doch möglich sein.

    viele Grüße, Lucy

    AntwortenLöschen
  3. Das hört sich ja nicht gut an! Für die Textilkunst an sich sind das keine gute Zeichen oder Voraussetzungen!

    Da siegt/e dann wohl doch der Kommerz ?

    Schade finde ich Euere Beschreibungen über die fehlende Beschilderung! Das ist zwar eigentlich ein großer Aufwand - aber doch unentbehrlich - auch in Bezug von Respekt und Achtung der Arbeit der Künstler/innen!

    Vielleicht lesen die Veranstalter/in die Kritiken und nehmen es sich für das nächste Jahr zu Herzen ?

    Es bleibt zu hoffen, schon alleine in Richtung Textilkunst!

    Liebe Grüße Luitgard

    AntwortenLöschen