Dienstag, 31. März 2020

Unsichtbares 3

2019: Aufbau meiner Ausstellung "Echo" auf der Nadelwelt in der Messe Karlsruhe

Hinter den Kulissen

Hinter den Kulissen beginnen Ausstellungen schon immer einige Wochen vor der Vernissage: eine Aufplanung wird gemacht, die Arbeiten überprüft, Aufhängungen überlegt, Titel und Werkeverzeichnis erstellt, Kataloge gedruckt, Postkarten und Flyer ebenso. Artist Statement und Biografie erneuert, ein Ausstellungstext und Portfoliofotos erstellt, die Checkliste für das Ausstellungswerkzeug und Material durchgelesen und ergänzt, Kisten und Werke verpackt, Leiter rauf, Leiter runter, Werk hinhalten, wegnehmen, endgültige Platzierung definieren ... 

Die Messe Nadelwelt findet dieses Jahr im Mai nicht statt. Sehr spät habe ich davon erfahren. Dieses Jahr habe ich keine eigene Ausstellung geplant, sondern wollte die wunderbaren Werke meiner beiden Masterclass Jahrgänge 2018 und 2019 präsentieren. Da hing auch eine Menge Vorarbeit dran. Aber eigentlich bin ich froh, dass nun eine Entscheidung getroffen ist. 

In schöner Regelmäßigkeit, so ungefähr alle zwei bis drei Jahre zeige ich die Jahresprojekte meiner Masterclass Teilnehmer*innen, die bei mir im Atelier über viele Monate entstanden sind. Wer das vorletzte Patchwork Professional Magazin gelesen hat, konnte sich über unsere Arbeit einen kleinen Überblick verschaffen.

Überall im Netz spriessen nun digitale Ausstellungen aus dem Boden. Es ist schön, dass wir online doch auch Einiges zu sehen bekommen, das eigentlich für uns unsichtbar - weil geschlossen - bleiben würde. Ich weiß nicht, ob und wie die Ausstellung der Masterclass Arbeiten noch irgendwann real gezeigt wird. Deshalb dachte ich, machen wir sie hier wenigstens ein wenig sichtbar.

Klarer Nachteil: eine Ausstellung zu kuratieren bedeutet, die Hängung sehr sorgfältig aufeinander abzustimmen. Eine Ausstellung in einem Raum ist immer mehr als die Summe der einzelnen Werke. Etwas Unsichtbares schwingt da mit, eine Stimmung, eine Atmosphäre, die vom Raum, vom Licht, der Platzierung und dem Rhythmus der Werke ausgeht. 
Es ist immer wieder faszinierend, einen Raum "zum Klingen" zu bringen mit den Kunstwerken, die uns zur Verfügung stehen. 

DAS kann ich leider hier im Blog nicht bieten. Es bleibt das Unsichtbare. ABER
ich kann hier die Werke vorstellen und mit Erlaubnis der Teilnehmerinnen veröffentlichen.

Ein wenig Vorbereitung brauche ich noch dafür, dann ist es soweit.

bis dahin, bleibt zu Hause! Stay home


Donnerstag, 26. März 2020

Unsichtbares2

Britta Ankenbauer, "Echo" - Unsichtbares - Invisible Echo (2019)

Der Moment

Es ist nun schon einige Jahre her, dass ich mein zweites Buch geschrieben habe. Die "Momentaufnahmen". Ein Universum für die textile Arbeit mit Skizzen. Ich hatte damals festgestellt, dass in der textilen Community der Begriff "Skizze" eher negativ bewertet wurde, Skizze wird immer noch sehr als Zeichnung verstanden, möglichst noch perfekt. Große Scheu!!!

So etwas reizte mich, und deshalb habe ich die Gründe erforscht. Es mag mit unserer Liebe zu Texturen zusammenhängen. Es ist ein Sinn, der bei textilen Künstlerinnen und Künstlern vielleicht besonders ausgeprägt ist. "Touch" - der Sinn, etwas haptisch sofort zu erfassen und auch wiedergeben zu wollen. Linie, Form, Fläche: alles nur "Beigeschmack", die Oberfläche gibt den letzten Schliff, sei es durch Skizze oder später beim Sticken und darüber arbeiten.

 Letztendlich habe ich dann auch dieses Buch veröffentlicht. Ich habe es Momentaufnahmen genannt, denn es geht bei der Skizze nicht um eine perfekte - womöglich noch fotorealistische - Zeichnung. Es geht um den Moment, und eben die Oberflächen, um Textur, und natürlich um alle anderen grafischen Elemente.

Textilmenschen sind haptisch veranlagt. 
So ist das Berühren und Streichen über Material und Oberflächen etwas, was uns sehr eigen ist. Das können wir mit Farben, Stiften und Pinsel festhalten. So etwas ist Skizze im textilen Sinne (noch viel mehr, aber darum geht es gerade nicht).
Im Moment ist aber das Berühren von Oberflächen nur zu Hause sicher. Im Supermarkt werden Handschuhe verteilt oder man bekommt eine Desinfekt-Dusche auf die Hände, ich fand das gestern sehr beruhigend, als ich einkaufen war. 

Schwer ist es, wenn ich Textil arbeite. Meine Arbeit geht über die Hand. Ich erfasse Oberflächen mit den Augen und ein zweiter Sinn ist sofort im Einsatz: ich weiß nur durch Blicke, wie es sich anfühlt, will aber dann doch berühren. Etwas Ähnliches haben vermutlich Köche, sie lesen etwas über Lebensmittel und schmecken im Geiste. 

Dass nun auf meinen geliebten Oberflächen etwas Unsichtbares haftet, wusste ich zwar theoretisch, war mir aber ehrlich gesagt, so nie richtig bewußt, natürlich ist es mir klar, aber bisher fühlte sich das nicht sehr gefährlich an und ich hatte auch nie Bedenken.

So kann ich nur dafür plädieren: malt Oberflächen, macht Skizzen von Texturen und Strukturen, aber berührt im Moment eher alles mit den Augen statt mit den Händen. Eine echte Übung, auch wenn ich das Wort Challenge nicht so mag, würde ich es hier benutzen! 

Ohne "Touch" fühlen, wie es sich anfühlt.
Eine gute Möglichkeit, Momentaufnahmen im Skizzenbuch zu Oberflächen und vielleicht dem Unsichtbaren zu machen.
 


 

Dienstag, 24. März 2020

Unsichtbares - the invisible


Britta Ankenbauer (2019) aus der Echo Serie

Unsichtbares

Invisible

Heute scheint die Sonne, keine Wolke am Himmel. Blau da draussen. Und kalt. Die Kälte sieht man nicht. Und auch Anderes bleibt unsichtbar. 
Gestern saß ich vor meinem Material und versuchte anzufangen, nicht nur das Warming up, das ich vor ein paar Tagen hier beschrieben habe, sondern eben meine eigentliche Arbeit. So einfach ist das aber nicht. Manche Projekte passen gerade überhaupt nicht.

Ich finde es interessant, wie zeitgenössische Kunst sich jetzt zeitgenösisch zeigt und nun ganz einfach an dem gemessen werden kann was "draußen" passiert.



Also grub ich gestern etwas tiefer in meinen angefangenen Projekten. 
Ich suchte nach einem roten Faden, etwas, das ich schon vor der Krise begonnen habe, das aber dem standhält, was gerade passiert. 

Britta Ankenbauer (2018) Memory - Ghost prints

Fragmente sind mein Spezialgebiet. Bisher habe ich mich stark auf das Sichtbare der Fragmente als narratives Element konzentriert. Über die Auseinandersetzung mit den Fragmenten und deren offenen Bedeutung für die Imagination kam ich folglich vor ein paar Jahren auch auf das Unsichtbare.
Unsere Imagination ist im Spiel, sie ergänzt den fehlenden Teil.
 
Daraufhin habe ich jede Menge Ghost Prints gearbeitet. Ich bin sehr weit mit den Prints gegangen, fast bis zur Unsichtbarkeit.

Gutes Thema, dachte ich dann gestern, hält der momentanen Atmosphäre stand. 

So arbeite ich also wieder. Zu Hause, nicht im Atelier in der Spinnerei, obwohl das streng genommen ja mein Arbeitsplatz ist. 
 
Das Unichtbare wird offensichtlich meine Arbeit in den nächsten Wochen bestimmen.

Sonntag, 22. März 2020

Die Welt der Dinge

Einige meiner Bedruckten und bemalten Stoffe (2019), fertig zur weiteren Verarbeitung

Zeug

Das Material bekommt in diesen Zeiten eine interessante Bedeutung. Ich bin von Natur aus eine Sammlerin und ich arbeite oft in parallelen Prozessen. Dabei produziere ich sehr viele skizzenartig produzierte Materialien. In den letzten Jahren ist diese, meine individuelle Art zu arbeiten, etwas gezielter vorangegangen. Es bleibt jedoch ein Merkmal meiner Kunst und meines Ateliers: Vielfalt finde ich interessant, ich liebe es, in die Tiefe zu gehen, ich vergleiche, ergänze, vertiefe und vervielfältige, ganz gegen den Trend der letzten Jahre bin ich nicht der Reduktion sondern dem Mixed Media und damit der komplexen Vielfalt verfallen.

 Ich bin immer fasziniert von den unendlich strömenden Ideen, die mir zu den Themen meiner Projekte in den Sinn kommen, auf Fragen kommen mir immer mehrere Antworten und ich kann nicht anders, ich muss einfach viel ausprobieren. So war ich in den letzten Jahren vielleicht nicht so ganz "trendy" - wenn ich die vielen reduzierten zeitgenössischen Arbeiten ansehe. Auch die ganzen Diskussionen um ein "Zuviel" an Dingen rund um M.Kondo, machte mir oft eine Art "schlechtes Gewissen" (nicht lange), worauf ich mir vornahm, doch mal auch meinen Kram zu reduzieren. Was dann ja auch erst einmal zu dem Januar-Makeover führte.

Nun bin ich gestern in mein Atelier gefahren, um einige dieser Materialien zu mir nach Hause zu holen, wer weiß, wann hier auch das Bewegen durch die Stadt schwierig wird. Viele sagen: ist doch deine Arbeit und dein Arbeitsplatz! Schon, aber wer weiß, ob künstlerische Tätigkeiten als lebensnotwendig für die Menschen gesehen wird (ich schon),... nun ja, also Material lieber zu Hause haben und arbeiten können. Statt Home Office dann eher Home Atelier.
 Glücklicherweise habe ich im Januar mein Atelier einem "Frühlingsputz" unterworfen, so habe ich wenigstens das Material im Überblick leicht greifbar gehabt. 

Dieser Druck, auszuwählen, was wichtig sein könnte, war sehr interessant. Es geht ja nicht um das Aufräumen à la Reduktion, sondern um eine Entscheidung, was mit kann und was bleibt. Das Bleiben ist Warten. Aber die Ungewissheit, wie lange mein Material auf mich wartet, trieb mich an, ich konnte mich einfach nicht entscheiden.

Ich fragte mich, was ich in den nächsten Wochen denn arbeiten muss, kann und will. Das, was ich tun muss ist klar und geht vielen gerade genauso: dafür zu sorgen, genug Ideen zu spinnen, dass meine geliebte Arbeit und damit auch mein Atelier in Zukunft überlebt. Das, was ich arbeiten kann, ist eingeschränkt, aber es geht immerhin auch von zu Hause (sind so Sachen, die meistens ganz nach unten auf meiner Bucketlist rutschen). 

Aber was ich arbeiten will? Da kam ich nicht wirklich weiter, denn irgendwie ist die Atmosphäre um mich herum immer etwas, das mich stark beeinflusst. Manche Projekte, die ich begonnen habe, passen einfach gerade nicht in die Zeit oder bekommen einen komischen Beigeschmack. Und neue Projekte habe ich noch nicht so sehr im Kopf. 
So kam ich nicht weiter. 

Also ehrlich gesagt, weiter kam ich dann, als ich es mir umgekehrt vorstellte: was wäre, wenn ich nun -sagen wir mal zwei Monate- auf dieses und jenes Material oder Werkzeug verzichten müsste?Jetzt verstehe ich endlich diese Fragebogen-Frage: was würdest du auf eine Insel mitnehmen, wenn du nur 3 Dinge auswählen dürftest. Früher konnte ich mit dieser Frage nie was anfangen, ich fühlte einfach nichts dazu und meine Liste wäre immer länger als drei Dinge gewesen. Gestern änderte sich das.

DAS war dann wirklich aufschlussreich! 

Sofort hatte ich drei Kisten gepackt, mit der heimlichen Überschrift 
"Mit auf die Insel: UNVERZICHTBAR" 

 Es geht gar nicht darum, zu wissen, was mein nächstes Projekt sein wird. Es geht darum, welches Material und welche Prozesse mir so wichtig sind, dass sie ganz oben auf einer Liste voller Vielfalt stehen. Der Rest kann warten.
 

Freitag, 20. März 2020

Über das Anfangen

Nicht leicht im Moment

Anfangen


Bleibt zu Hause, bleibt gesund.

Im Moment ist das Anfangen gar nicht so einfach. Höre ich Nachrichten, vergeht mir die Lust am Arbeiten. Lähmung, Fassungslosigkeit, Trauer, ... es spielt sich jetzt viel in mir ab.

Dennoch muss es doch Anfänge geben, wenn ich überall verkünde, dass wir kreativ und künstlerisch etwas tun sollten, für uns, für andere.

Also hier meine Tipps zum Anfangen in schwierigen Zeiten

1. Der Ort: schaffe dir dein Material um dich herum, gehe an deinen kreativen Arbeitsplatz, räume dir deine Materialien auf den Tisch: Komm in Kontakt mit den künstlerischen Materialien. Zumindest mir geht es so: wenn ich dann mein Material vor Augen oder sogar in der Hand habe, beginne ich...

2. Zufall und Einfach losmachen. Schließe die Augen, kritzle blind mit Stift oder Pinsel auf ein Papier. Öffne die Augen,... mach weiter.

3. Suche ein altes abgelegtes Projekt von dir. Fang nochmal an.

4. ES IST EGAL WOMIT DU ANFÄNGST; FANG EINFACH AN: was liegt so nahe bei dir, dass du es einfach greifen und anfangen kannst?

5. Stelle einen Timer auf 3 Minuten und mache nur soviel, bis die Zeit vergangen ist. Nimm anschließend wahr, ob du Lust hast, weiter zu machen

6. Versprich einer Freundin/einem Freund heute abend ein Foto zu schicken, von dem, was du gemacht hast

7.Schreibe dir am Vorabend selbst eine Aufgabe und lege sie dir auf deinen Arbeitstisch

8.Vergiß nicht zu träumen

9.Mach etwas, was du noch nie gemacht hast (im Internet gibt es unendlich viele Anleitungen)

10. Finde ein Ritual (Tee kochen, Arbeitsplatz vorbereiten, ...) für den Anfang


Ich geh' dann mal anfangen...

Mittwoch, 18. März 2020

Wie Weiter

Neuer Onlinekurs 

Britta Ankenbauer (2019): Echo fragend
Dies ist ein Kurs für die „Mittendrin“ Arbeit: du hast Skizzen und Ideen für Projekte. Oder du möchtest ein Projekt mal ganz von vorne bis hinten durchführen. 
Oder du möchtest das Thema rund um die Komposition von Bildern vertiefen.

Im Kurs wird es darum gehen, deine persönlichen Projekte zu entwickeln und die Gestaltung von textiler oder Mixed Media Kunst so zu vertiefen, dass ein Werk daraus entsteht. In mehreren Einheiten nähern wir uns Schritt für Schritt der Komposition, dem Aufbau und dem „Werk“ an. 

Dabei klären wir nicht nur, was denn ein „Werk“ (im Unterschied zur Skizze) ist, sondern finden auch Wege, Qualität in die Komposition und das Finish zu legen.
Dies ist ein interaktiver Online Kurs. Du kannst also dein persönliches Projekt beginnen und hast dann die 12 Wochen Zeit, das zu vertiefen, worum es dir vorwiegend geht.  


Als ich den Kurs und den Titel "Wie WEiter" ausgeschrieben habe, war von der Krise rund um Corona nichts zu wissen. Viele haben mir mitgeteilt, dass gerade jetzt die Kurse ihnen Halt geben und sie dadurch das Gefühl haben, für sich etwas Sinnvolles tun zu können, um aufzutanken. Kreativität ist eine Form allgemeiner Ideenfindung und eine geistige Leistung. Es ist das, was wir jetzt alle brauchen, um gute Ideen für die Bewältigung von schwierigen Situationen zu entwickeln und mit neuen, sehr schwierigen Fragen umzugehen.

Im Kurs steht das gestalterische Tun im Vordergrund, aber der „kreative Muskel“ ist mehr denn je nun im Ganzen gefragt. Durch das kreative Gestalten halten wir unseren „Kreativmodus“ jung und aktiv, was vielleicht auch helfen kann, im Allgemeinen Ideen entwickeln zu können. 

Ich hoffe sehr, dass der Kurs euch Freude und auch etwas Ruhe geben wird, und das Gefühl, auftanken zu können. Ich werde dafür einige Aufgaben entsprechend einflechten. Und ich werde online sehr präsent sein, da mein Atelier ja auch für Besucher*innen und Kursteilnehmer*innen im Moment geschlossen bleibt.

Ich habe das Teilnehmer*innenlimit aufgehoben und nehme auch noch kurzfristig Anmeldungen an. Infobrief gibt's bei mir per email (britank at hotmail punkt com). 

Onlinekurs: "Wie Weiter?"
Beginn: 25.03.2020
Dauer: 12 Wochen


 


Dienstag, 17. März 2020

Etwas Machen

Kreativ und Kunst in Zeiten der Krise?

Britta Ankenbauer, (2019) Entwurf
Es ist so still hier - wie Sonntag - obwohl wir Dienstag haben.
Viele Gedanken gehen durch meinen Kopf, unter anderem habe auch ich alle Besuche und Kurse in meinem Atelier abgesagt, bis auf Weiteres,... was immer das auch heißt.
Uns allen geht es so.

Plötzlich Zeit 

Kunst machen fühlt sich jetzt wie Luxus an und ist mir doch auch Bedürfnis. Kann ja draußen nicht hin. Das Atelier steht mir zur Verfügung. Könnte das Paradies sein, fühlt sich aber nicht so an.

Eines ist mir bewusst geworden: die Schliessung des Ateliers schirmt einen großen Teil meiner Arbeit ab: den Kontakt mit euch, das gemeinsame Arbeiten, das Lachen und Grübeln, das Herumspinnen, Experimentieren mit anderen, das Über-die Schulter Schauen, das Teilen, das Weitergeben, das Fördern, das Fragen stellen und das gemeinsame Finden von künstlerischen Lösungen.

So kann ich wenigstens hier auf dem Blog teilen, was sonst im Atelier lebendig ist. Kunst ist für die Seele und Kreativität hält uns fit, wenn wir Ideen brauchen (was ja jetzt gerade sehr nötig ist).


Dienstag, 4. Februar 2020

Zeichen, Spuren und Ideen

Der Skizzenbuch- Onlinekurs ist gerade im letzten Drittel angekommen. Tolle Arbeiten, Ideen, Strukturen! Da beide Kurse, der Adventskalender und der Skizzenbuchkurs so toll gelaufen sind, habe ich mich gleich nocheinmal hingesetzt und weitere Kurse konzipiert. 
Ehrlich gesagt, hätte ich nie gedacht, dass ich mal Spass an Onlinekursen hätte! Aber die Kommunikation und die Inputs sind so interessant, dass ich es nun doch nicht lassen kann. Eine Teilnehmerin meinte sogar, dass Online noch gezieltere Beratung möglich sei.

Wer interessiert ist: ich schicke gerne eine Liste mit den zukünftigen Onlinekursen zu. Auf der Kursseite
findet ihr schon mal die nächsten zwei Kurse. Per email könnt ihr die anderen Kursausschreibungen schon mal vorab anfordern.
Die Anmeldephase läuft!


Kritzeln und Assoziieren. Skizzenbuchseite

Demnächst:
Kritzeln, Malen, Visualisieren
Mark Making

Onlinekurs 

Beginn 28.02.2020

Textile Kritzeleien in Kombination

Donnerstag, 23. Januar 2020

Brauche ich ein Skizzenbuch?

So ordentlich sieht es auf meinem Arbeitstisch nur aus, wenn ich einen Kurs vorbereite...
Der Onlinekurs "Skizzenbuch - einfach beginnen" hat begonnen. Begleitend dazu wird es hier immer mal wieder Posts zum Thema Skizzenbuch geben. Dies sind nicht die Übungen und Aufgaben aus dem Kurs. Es sind eher Gedanken und Positionen rund ums Thema. 
Seit ich mein Buch Momentaufnahmen (2015) geschrieben habe, ist schon wieder einige Zeit ins Land gegangen. Die Inhalte sind aber immer noch taufrisch!

Wozu brauche ich Skizzen?

Eines der Hauptthemen meiner Teilnehmerinnen in vielen Kursen ist die Frage, ob wir in der Textilkunst überhaupt ein Skizzenbuch brauchen und wie wir es mit unserer Materialorientierung nutzen können.

Was sind Skizzen überhaupt? Herkömmlicherweise fällt uns bei dem Wort Skizze sofort eine Zeichnung ein.  In den letzten Jahren vielleicht auch "Journaling" Seiten, die wir in den sozialen Medien zu Hauf sehen können. Textile Skizzen sieht man nicht so oft, in letzter Zeit aber doch etwas häufiger. Vielleicht wäre das Wort "Studie" besser geeignet? Aber auch das klingt nach einer organisierten Reihe von verschiedenen Ansichten eines visuell zu studierenden Gegenstandes. Voller Ordnung und Absicht.



Britta Ankenbauer: Gestickte Studie, Mixed Media, Papier und freie Stickerei

Skizze ist für mich einfach alles, mehr als Zeichnung, beginnend bei Mark Making (es gibt immer noch kein gutes deutsches Wort dafür) über Naturstudien (ja, Zeichnung und Malerei), Experimente und Materialerforschung, Übung zum Verbessern von Techniken und Recherche für Kenntnisse. Letting go und Planung, Zufallsprodukt und Fundstück .... 
Also ist es ein Überbegriff für das, was "vor dem fertigen Werk" an Ideenfindung, Suche, visueller Sammlung, Übung und Reflexion geschieht.
Britta Ankenbauer: Mark Making und Stickerei sind sich sehr ähnlich
 In meiner ersten Ausbildung habe ich ja gelernt, Trends zu beobachten. Zur Zeit ist ja das "Tägliche Tun" ganz trendy. XY-Tage etwas machen. Und durchhalten!!! Ich frage mich, ob das nicht eine sprachlich attraktivere - und veränderte Form von "Üben" ist. Wer ein Instrument lernen möchte, sollte jeden Tag üben. Ich habe mal Geige gespielt. Mehr schlecht als Recht (und nicht sehr lange). Aber das tägliche Üben hätte eine Selbstverständlichkei sein sollen - für mich aber schwer durchzuhalten damals. So viele Menschen probieren gerade etwas, was sich anhört, als ginge es um Disziplin. Jeden Tag! Never ever weniger!!! Dabei geht es vielleicht darum, Hände und Augen - wie die Sportler- fit zu halten.

Auf das Arbeiten mit dem Skizzenbuch bezogen, wäre es ja schön, täglich zu üben, es zu füllen, herumzuexperimentieren. Es geht aber nicht um Fleiß, Disziplin und Ordnung, denn das Ziel ist nicht (ausschliesslich), zeichnerisch besser zu werden oder die hundertste der besten aller besten Ideen zu finden. Skizzenbuch ist tiefer, entspannter, ist langfristiger angelegt. 

Mein Skizzenbuch ist ein eigenes Universum

Es geht für mich um Orte. Skizzenbuch ist ein Ort der Aufbewahrung, ein Ort des Suchens, ein Ort des Experimentierens. Ein Spielplatz und ein Museum. Dabei ist es toll zu erspüren und zu bemerken, wann ich üben sollte, wann ich einfach nur herumspiele, wann ich Raum für neue Ideen brauche. Ich kann sie nicht erzwingen. So plädiere ich gerade bei der Arbeit mit dem Skizzenbuch dazu, gut auf sich selbst zu hören. Anfänge zu finden, Ja! Ruhepausen und künstlerisch Yoga zu machen (war ein anderer Onlinekurs). 
Das bedeutet für mich: ich respektiere auch das "Menschliche" in mir, das mich manchmal einfach in einen "letting go" Zustand versetzt. Früher dachte ich, es ist einfach Trägheit. Heute denke ich, dass Kreativität auch Pausen braucht, ich vertraue mir selbst, dass ich bemerke, wann ich Zeit zum Luft holen und die Seele baumeln lassen brauche,... interessanterweise kommt dann manche Idee auch mal angeflogen.

Üben kann ich später mal wieder. Ich muss noch an meinen Linien arbeiten. Die brauchen noch etwas... mal sehen...


Britta Ankenbauer: Skizzenbuchseite

 


Montag, 6. Januar 2020

2020, die zweite

Detail aus meiner Arbeit vom letzten Jahr (2019), work in progress. Drawing/Zeichnung auf Stoff, bestickt.

Vor und zurück 

oder 

einfach in Bewegung bleiben

Jahresrückblicke sind ja immer sehr interessant. Im Kurz- oder Schnelldurchlauf noch einmal zurückblicken und dann mit Riesenschritten nach vorne. Geht auch langsamer, dachte ich. Deshalb kommt hier nicht das, was ich mir eigentlich vorgenommen hatte. Ich wollte eine Rückschau auf das letzte Jahr mit Bebilderung machen. Es war ja viel los, warum also nicht so eine kleine Ordnungsübersicht schaffen und damit das Jahr 2019 verabschieden?
Irgendwie regte sich in mir Widerstand, es waren so viele tolle Begegnungen, Ereignisse, Ausstellungen, Kurse und andere Veranstaltungen. Und dann war es für mich persönlich auch ein trauriges Jahr. Alles zusammen ist es wert, etwas langsamer in den Rückblick zu gehen. 
Statt also hier auf dem Blog ein Bild nach dem anderen zu veröffentlichen und eine visuelle Rückschau im Schnelldurchgang zu machen, habe ich mir ein paar Fragen vorgenommen, die mich in Bewegung halten.

  Was kann ich guten Gewissens zurücklassen aus dem letzten Jahr?


Entwurf (2019)
 Mit diesem Entwurf oben habe ich lange gerungen. Die Zeichnung hatte irgendwie Aussagekraft, aber ich war mit meinen Ideen zu der gesamten Komposition sehr unzufrieden. Wie viel Zeit ich da reingesteckt habe!!! Aber es wurde und wurde nicht. Letztendlich wollte ich es aber nicht aufgeben. Auch den Titel hatte ich schon: "Ich wollte immer einen Hund haben". Auch nachdem der Titel in meinem Bewusstsein auftauchte, war es nicht besser geworden. Lange Rede... ich legte die Arbeit schweren Herzens weg und konzentrierte mich auf die anderen Werke. So tauchte diese Arbeit nicht in meiner ECHO Ausstellung auf. 
Heute, viele Monate später, kann ich sie endlich loslassen. Ich freue mich über den Titelfund, der mir neue Ideen gibt.Und gelernt habe ich, dass ich in Zukunft vielleicht sogar leichter manche Werke in einer Box verstaue statt in einer Ausstellung zu zeigen. Es existiert und markiert meinen Schaffensprozess. Reicht eigentlich manchmal.

Was möchte ich unbedingt weitermachen?

Detail aus einem meiner Holzschnitte, Drucktechnik auf Stoff (2019)
Slow work. Material, Ideen und Handwerk miteinander zu zeitgenössischen Werken zu verknüpfen.
 Das erscheint mir manchmal einfach nur ein Kopfkonzept. Aber ich habe im letzten Jahr doch einige Ansätze in die Tat umgesetzt. Ich möchte mit Blick nach vorne viel mehr meiner langsamen Techniken aufnehmen und durchhalten, auch, wenn die Resultate auf sich warten lassen müssen. Beispielsweise habe ich verschiedene Holzschnitte noch unfertig in meinem Atelier liegen. Aber viele viele Ideen zur textilkünstlerischen Umsetzung. So will ich das unbedingt mitnehmen ins neue Jahr: die langsamen Druck- und Textiltechniken weiter verfolgen. Prozesse starten, die dem Gesamtkonzept dienen und die ich nicht aus den Augen verliere, während ich an den Details sehr langsam arbeite. 

Was werde ich noch in ein paar Jahren in Erinnerung behalten?

Kurse sind ein Ort zum gemeinsamen Entwickeln (hier Masterclass 2019)

Mal abgesehen von den privaten Erinnerungen, werde ich die wunderbaren Kurse und Meisterklassen 2019 in Erinnerung behalten. Interessanterweise erinnere ich mich sehr oft an das, was ihr gearbeitet habt. Die Bilder, Objekte und Serien, die entstanden sind. Höhepunkte gab es genug im letzten Jahr: der Kunstsommer in Irsee, die Meisterklasse, in der uns der Chor besuchte und mit interessantem Gesang erfreute. Oder die wunderbaren Tage in Oberrot, in der ihr mir so sehr beigestanden habt in meiner Trauer. Oder auch Stapelfeld, der abendliche Platzregen aus heiterem Himmel, der uns noch mehr zum Lachen brachte. Und auch in den Niederlanden, in dem wunderbaren Institut HAWAR, wo wir alle gemeinsam die Sprachen meisterten und das textile Vokabular noch hinzufügten. Die Pfalz, im Atelier Tisch, wo ich einmal im Jahr so ein wunderbares Umfeld und tolle Ideen zu sehen bekomme! Und nicht zu vergessen: die Masterclasses bei mir im Atelier, die in jedem Jahr neue und aufregende künstlerische Prozesse ermöglichen.
Kleiner Nachsatz: ganz überwältigt bin ich immer noch von dem Feedback zu meinem ersten Onlinekurs. Das motiviert zum Weitermachen!!!

 DANKE EUCH ALLEN!

 

Was gibt es Neues im Neuen Jahr?

Engelsgeflüster (2019)  

Britta Ankenbauer "Der große Tag" (2019), Digitale Fotografie, Malerei, Sticktechniken

Neue Werke, Slow Work, Eine neue Ausstellung im Sommer, Neue Onlinekurse, Eine neue Masterclass, und mal sehen... was sonst noch kommt.